Ankommen nach 365 Tagen unterwegs

Heim, ja, aber eigentlich hätten wir noch so viel zu tun mit dem Blog und so schnell wie möglich wollen wir unser Jahr auch nicht beenden und ein wenig ausklingen lassen muss auch sein… und… und…

…so stoppen wir gleichmal bei Hamburg.

Ein Déjà-vu. Eine Reise in Hamburg beenden. Wie nach unserer Islandreise im August 2017. Da haben wir beim Zurückfahren in Hamburg damals begonnen die PanAm zu planen.

Ein letztes Mal durchschnaufen und feiern, dass wir gesund, heil und gemeinsam zurück in Deutschland sind. Auch wenn Martin sozusagen noch Gnadenfrist hat und noch nicht im Heimatland ist, sind wir irgendwie quasi „zurück“.

Also… ok… physisch in Deutschland angekommen heißt noch gar nix!

Ich hab in Norwegen ewig gebraucht, um im Kopf nicht mehr spanisch zu formulieren und jetzt frage ich ohne zu überlegen die Bedienung auf englisch, ob wir hier im Restaurant sitzen bleiben können, um am Laptop zu arbeiten. Auf englisch in Hamburg. Nach einem Jahr durchkämpfen in Ländern, in denen Deutsch Seltenheitswert hat, kein Wunder. Deutsch ist weltweit gesehen wirklich nicht wichtig!

Wir möchten länger sitzen bleiben, weil der Blog dringend Pflege bräuchte und daheim ist vermutlich dann keine Zeit und Muße dafür: Kategorien wollten wir anlegen, die Equipmentseite neu gestalten, letzte Einträge machen, die Länderüberblicke einfügen und, und, und.

Am Handy bloggen geht ganz gut, aber Umstrukturierungen im Menü und andere Ergänzungen sind nur am Laptop möglich. Blogpflege: manchmal eine Wissenschaft für sich! Aber wir sind im Nachhinein voll froh dieses Tagebuch geschrieben zu haben!

Danke für all die lieben Rückmeldungen zum Tagebuch und die zahlreichen Unterstützungen über unsere Spritkasse. Wir freuen uns wirklich sehr, dass so viele online „mitgefahren“ sind!

In Hamburg City sind wir nur kurz. Hier finden wir für den Defender ein passendes Detail, was uns auf der Reise irgendwann eingefallen ist. Griffe aus Leder wären ja mal schön.

Der Eiskaffee.

Nirgends haben wir ihn bekommen. Nicht ein einziges Mal in Norwegen. Martin hat es ein paarmal probiert. Was dann immer über den Tresen wanderte war ein normaler Kaffee mit Eiswürfel. Und das teuer.

Wir gehen skeptisch in eine Eisdiele in Hamburg und fragen: „Wie machen sie den Eiskaffee?“

Die Dame antwortet: „Eiskaffee? Ja – haben wir!“

„Ja, aber WIE machen sie den?“

Sie stutzt und erklärt dann: „Tja, das ist kalter Kaffee, mit Milch und dann kommt Eiscreme rein, Vanille oder Schokolade – wie sie wollen – und oben drauf Sahne.“

Martin strahlt! „Jaaaa! Zwei bitte!“

Eine Bäckerei mitten in Deutschland.

Wir sitzen vor einem kleinen Frühstück in einer Ecke und beobachten das Geschehen. Die Verkäuferin seufzt: „Die Leute sind nur noch gestresst. Wenn eine kleine Schlange ist, gehen sie wieder oder stellen sich sichtlich genervt an. Sie wippen mit dem Fuß, steigen nervös rum und ich kann aber deshalb auch nicht schneller bedienen. Die Leute haben einfach keine Zeit mehr!“

Ex-Tec

Wer sich noch erinnern kann und fleißig unseren Blog verfolgt hat, weiß das wir nach unserer Island-Reise eigentlich nur auf einen Sprung bei der Firma vorbeischauen wollten, von der ein paar Teile am Defender verbaut sind. Aus einem Vorbeischauen hat sich ein neuer Ausbau unseres Defenders und eine wirklich schöne Freundschaft entwickelt. Danke euch beiden!

Somit war es natürlich klar, dass wir auf dem Heimweg bei Ex-Tec vorbeifahren. Gemeinsam Cafe trinken mit Stephan ist ein Pflichtprogramm für Martin 🙂

 

Fast daheim.

Überraschungs-Stopp bei Opa.

Wir sitzen bei Martinas Opa im Wohnzimmer und warten gespannt, bis er reinkommt. „Ja,… wer is denn da? Jetzt wart’s aber schnell von Norwegen!“ Er lacht. Und er sieht aus wie immer. Wir freuen uns über jeden, den wir nach einem Jahr wieder sehen, aber wenn jemand 102 ist, ist es was Besonderes.

Home

… als wir um die Ecke biegen, unser rollendes Zuhause, in dem wir 1 Jahr gewohnt haben, am Parkplatz abstellen, empfängt uns eine sehr liebe Überraschung.

WELCOME HOME am 4. August 2019, vor genau einem Jahr am 5. August 2018 sind wir von hier gestartet. 

Ich halte kurz inne und dann: Motor aus! Nicht ganz ohne Emotionen drehe ich den Zündschlüssel, denn jetzt ist sie vorbei, eine wundervolle, anstrengende und einzigartige Reise. Danke!

 

Wir wurden herzlich begrüßt mit vielen bezaubernden Willkommensgesten… bis hin zum gefalteten Toilettenpapier – wie im Hotel. Marion, wir mussten so lachen! Genauso, wie über die bereitstehenden Pantoffeln – wohl der Inbegriff für „Zuhause“.

Jetzt heißt es: einräumen, umräumen, Garten pflegen, Auto kaufen, wieder am Defender werkeln, Freunde treffen, versuchen langsam anzukommen….

In ein paar Wochen werden wir uns hier wieder melden.

  • Mit den Erfahrungen des Heimkommens nach einer langen Reise (Wie geht es uns damit? Was bleibt, was geht?)
  • Mit Zusammenfassungen und einigen Infos über unsere Reise (z.B. Wie oft haben wir wild gecampt? Wieviel Geld für Sprit gebraucht?)
  • Mit einem Resümee übers Equipment (was würden wir wieder kaufen/mitnehmen? Welche Tipps können wir weitergeben?)
  • Mit unseren abschließenden persönlichen Gedanken zu unserem großen Abenteuer.

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Nur jetzt noch ein kleiner Gedanke, was wir in den ersten Tagen wahrnehmen und uns so denken:

Uns geht es wirklich gut! Ich meine hier in Deutschland und Österreich. In Kolumbien geht es vielen Menschen nicht annähernd so gut, aber sie lächelten uns an und freuten sich mit uns, dass wir unterwegs sind. Hier lächelt keiner… nur manchmal die Kinder. Und die Autofahrer hinter uns sind sichtlich genervt, weil wir langsamer sind als alle anderen. Martin: „Waren die alle schon immer so gestresst oder fällt mir das jetzt nur so extrem auf?“

Nix tranquillo und mañana.

Manchmal möchte man ihnen sagen: Hört auf euch zu beschweren, nehmt den Nachbarn in den Arm anstatt gegen ihn zu klagen, lächelt fremde Menschen an und genießt die Zeit, die euch geschenkt ist. Keiner weiß wie viel Zeit es ist. Deshalb macht was Schönes draus! Egal wo ihr seid auf dieser WUNDERVOLLEN Welt.

Es ist nämlich wirklich eine Welt voller Wunder, aber man braucht a bisserl Zeit, um Wunder zu sehen. Und wenn es „nur“ die Libelle ist, die an einem vorbeischwirrt.