Die Fähre nach Mazatlán

Wir haben eine Reservierung aber kein Ticket.

In La Paz in der Stadt: Büro mit Nummern ziehen, freundliche Dame gibt uns einen Zettel und erklärt, dass sie uns das Ticket nicht drucken kann, dafür müssen wir zum Hafen ins andere Büro. Sie meint ab 16 Uhr. Um 20 Uhr geht die Fähre. Wir Deutsche und Österreicher würden das gern schon Vormittag erledigen… aber kann dann sein, dass wir rausfahren (30Min), wir dort warten, bis wir dran sind, um dann zu erfahren, dass wir um 4 wieder kommen sollen? So stell ich mir das vor. Also Kompromiss, wir essen was (mit etwas Staub von der Baustelle drüber im Kaffee) und fahren um 14 Uhr raus.

Erste Kontrolle am Hafen: Sticker TIP und das Formular dazu, Zulassung und Ausweis braucht er.

Büro: Sie kann unser Ticket nicht drucken ohne den blauen Zettel.

Zweite Kontrolle: wir werden gewogen, zahlen 160 Pesos (8 Euro) und bekommen einen blauen Zettel

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(Anmerkung: schauen die Szene Asterix „Passierschein A38“ zwei Tage später auf YouTube an und müssen lachen, denn sie brauchen erstmal das blaue Formular)

Zurück zum Büro: Tickets werden ausgedruckt

Zu früh sind wir dann fertig, aber dafür ist genug Zeit um den Kühlschrank zu putzen, der leider bissl (viel) fischlt.

Um 17 Uhr fahren wir zum Schiff, wir werden getrennt, ich muss als Passagier in die Wartehalle gehen. Um uns später auf dem Schiff wieder zu finden, sind wir dank iOverlander vorgewarnt und machen Treffpunkte und Ersatztreffpunkte aus: 1. Rezeption, 2. Kino falls vorhanden und 3. Eck in Fahrtrichtung… zur Sicherheit mit Spicker.

Die Wartehalle ist ein riesiger Kastenraum, in dem gleichzeitig eine musikalische Beschallung der Fährgesellschaft, eines Cafés (zusätzliche Boxen) und eines Souvenirshops (riesen Ghettoblaster) zur Entspannung beitragen.

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Die Mexikaner um mich rum tragen riesen Decken oder sogar Matrazen mit sich. Bin froh meine kleine Wolldecke, Mütze und Jacke dabei zu haben… ich ahnte es! Niemals in Flugzeug oder Fähre steigen ohne Decke und Mütze! (Im Nachhinein: Handschuhe!)

Es ist 18 Uhr. Ich darf rein. An zwei Kontrollen vorbei: Taschenscanner und Militär.

Die Lastwägen müssen rückwärts die Rampe hochfahren und einparken. Martin steht auf dem Lastwagendeck zwischen riesen Trucks. Bei ihm haben sie seine Tasche übrigens nicht gecheckt.

Auf dem Schiff: So… Martin gefunden, Platz gefunden, passt! Bis der Alleinunterhalter in ohrenbetäubender Lautstärke loslegt. Nö… das halt ich nicht aus… Ohren tun nach 10 Minuten schon weh. Wir sind zu alt für sowas, die fünf jungen Männer neben uns bestellen während dessen drei Bier für jeden.

Wir tigern von Ort zu Ort, aber nur mit Kabine wärs gemütlich und da gabs nur keine freie mehr.

Auf dem aushängenden Grundriss des Schiffes finde ich zwei Ecken im Kabinenbereich, da könnte man sich hinlegen. Wir sitzen da, zwei vom Personal lassen uns links liegen, eine liebe Dame kommt aus Kabine raus und bietet uns sogar ihre Toilette an, ihr Mann fragt: „Ready for a long night?“ Naja…

Der Mann von der Security staubt uns freundlich weg. Schade!

Martin wird müde, ich als Eule hab das Problem erst nach Mitternacht. Setzen uns irgendwann am Rand neben die Treppe und reden über unterschiedliche Arten des Reisens. „Mit 60 setz ich mich nimmer hier am Boden und mach die Nacht durch“ – „Ich glaub ich wills jetz scho nicht mehr!“ Wie will man reisen? Was nimmt man in Kauf dafür? Wo fühlt man sich sicher? Wo kann man ruhig schlafen? Wann ist das Auto gut und wann ist es hinderlich? Was braucht jeder von uns um glücklich zu sein? Was fehlt? Wollen wir was ändern? Für was is man zu alt? Was ist uns wichtig?

Momentan ist es zu viel Organisation (Fähre/Container/Schlafplatzsuche/Sicherheit), zu wenig Schlaf und zu wenig Zeit fürs Genießen. Dieses Jahr sollte ja kein Stressjahr sein, sondern ein Erlebnis und auch Entspannung und Freiheit. Nach Freiheit fühlt es sich grade nicht so oft an, also mal nachdenken… (haben ja nun Zeit bis morgen um 9 Uhr früh) Die Panamerikana war die grundlegende Idee… aber vielleicht wirds auch nur ein kleiner Teil. Oder noch ganz was anderes. Einig sind wir uns, dass alles was wir erlebt haben nicht missen möchten, dass wir in der zweiten Hälfte aber bissl umstrukturieren möchten. Eine Zäsur tut gut.

Um 22 Uhr rum steht plötzlich ein Clown vor uns. „I’m sorry, my English is not good… do you want to sleep?“ Warum fragt er uns und nicht die zwei Typen neben uns? Er zeigt uns genau das Eck, das wir schon ausprobiert hatten. Auf unsere Bedenken hin redet er sogar mit der Wache. Aber keine Chance. Dann zeigt er uns unten im Restaurantbereich neben der Kinderecke (schon besetzt!) ein ruhiges Eck für uns. Warum sich der ausgerechnet um uns gekümmert hat – keine Ahnung. Wir sehen ihn auch leider nicht nochmal. Dass hier der Boden viel kälter ist, dafür kann er nix. Teils am Boden, teils auf den Stühlen verbringen wir die Nacht.

Es zeigt sich die Eule und die Lerche:

Martina: alles was offline geht, Film schauen, Spanisch lernen, Posts schreiben, Fotos runterladen, Hörspiel hören, den Männern beim Trinken, dann beim Schlafen und später beim sich Übergeben zuschauen. Guggen, wo das Schiff um 4 morgens ist. Nachdenken über Reise. Leute beobachten. Und kurz mal halbe Stunde versuchen zu schlafen. Nur auf Zeichnen hab ich keine Lust

Martin: versuchen zu schlafen.

Um 6 Uhr morgens wissen wir, dass wir nie wieder eine lange Fähre ohne Kabine buchen werden, egal was es kostet!

Um 9 legt das Schiff an. Nur Martin darf zum Autodeck und da fragen sie dreimal nach, ob er wirklich auf das richtige Deck will, da er echt nicht nach Trucker aussieht.

Wir tanken in Mazatlán und begeben uns auf die Autobahn. Martin hält sich tapfer bis wir um 15 Uhr ungefähr im Hotel in Tepic ankommen. Ich weiß von der Fahrt nicht mehr viel, kann die Augen irgendwann nicht mehr aufhalten und fall im Hotel erstmal sofort ins Bett.

Ein leckeres Abendessen mit Buffet in einem vegetarischen Restaurant gleich ums Eck bringt uns wieder bissl auf Kurs. Der Kaffee schmeckt dort wunderbar nach Kardamom und Weihnachten und das Auto steht am Hotel sicher… wir schlafen.