Über Aguadas nach Manizales

Stau, Stau, Stau.

Wäre die Alternative über die Berge schneller? Vielleicht. Martin denkt, ich will kleinere Straße fahren. Ich denke, er will kleinere Straße fahren. Wir biegen ab.

Nach einigen Kilometern is klar: schneller ist das auf keinen Fall und die Kommunikation zwischen uns war völlig mißverständlich. Martina: ihr ist es egal, ob wir noch ’nen Monat in Kolumbien bleiben, langsam also egal. Martin: er wollte an dem Tag Strecke machen und ein Stück nach Süden kommen.

Jetzt gurken wir durchs Gelände und es ist dicke Luft im Auto… umdrehen lohnt sich auch nicht mehr, bleiben also auf der kleinen Bergstraße. Nachdem wir ausdiskutiert haben, dass eigentlich keiner für den Bergweg war und es sowieso auf der regulären Route auch nicht in einem Tag möglich wäre, machen wir das Beste draus.

Wir genießen die Kaffeegegend (neu) und wundern uns nimmer über die skurrilen Fahrzeuge vor uns (nicht neu). Später merken wir, dass wir zufällig genau die vorgeschlagene Genießerroute im Reiseführer genommen haben. Juhuu – check!

Einen Schlafplatz haben wir auch gefunden. Nach kurzer Diskussion um den Preis für eine Hütte oder für den Parkplatz einigen wir uns auf Essen im Restaurant und Schlafen auf dem Parkplatz zum üblichen Campingpreis.

Eigentlich ist es ein Hotel mit Cabañas, Pool und einem Turm mit einer gradiosen Aussicht! Dort lernen wir Adriana und Juan kennen. Adriana war in ihrer Jugend länger am Chiemsee und das Salzburger Kennzeichen weckt Erinnerungen an eine schöne Zeit. Sie warten ab, was wir machen, ob wir bleiben oder weiterfahren. Später erfahren wir, dass sie uns ansonsten sofort eingeladen hätten. So wurde vorerst nur ein Bierchen draus.

Wieder mal allein in einem Restaurant, in dem nur für uns gekocht wird.

Allein? Nein – mit dutzenden Käfern!

Und dann passieren scho wieder Dinge – so nenn ich das, wenn einem einfach unerklärlich Gutes widerfährt, wenn das Schicksal einen in den Arm nimmt.

Adriana hätte uns ja schon fast mitgenommen, aber auch hier gehts „magisch“ weiter: Wir sollen in der Hütte/Cabaña schlafen, der Schlüssel wird uns unvermittelt einfach in die Hand gedrückt. Versuchen uns noch zu weigern, da das Zimmer danach ja auch geputzt wird und wir keinen Aufwand machen möchten. Wollten den Schlüssel zurück geben. Aber – keine Ahnung warum! – sie bestehen drauf, dass wir im Zimmer schlafen, ohne Aufpreis. Unbedingt!

Am Morgen gibts noch zwei Jeep-Bekanntschaften, die definitiv gut nach Moab passen würden.

In Aguadas werden wir von der Touristenpolizei quasi in die Touristinfo geschleppt, um nicht zu sagen freundlich gezwungen. Wir lauschen einem laaangen Vortrag über die Stadt. Wie die typischen Hüte hier hergestellt werden ist wirklich interessant, aber dann verdünnisieren wir uns. Wir sind ja Gott sei dank nicht in der Schule! 😉

Die Einladung nach Manizales nehmen wir gerne an. Mit Adriana und Juan verbringen wir zwei schöne Tage neben dem schlafenden Vulkan und bekommen eine Stadtführung mit Aussichten. Die riesige Bronzeskulptur Bolívar Cóndor, ein Symbol zwischen Freiheit und Mensch, bestimmt den Hauptplatz in Manizales.

War irgendwer von euch schon mal in einem Café in einer Kirche? Also nicht neben einer Kirche, sondern echt drinnen, oben in einem Balkon. Die neogotische Kirche „Basilica de Nuestra Señora del Rosario“ von 1939 ist komplett aus Beton und seit kurzem gibts hier Kaffee und Kuchen. Der Turmzugang wurde bissl umgebaut, eine Kaffeemaschine rein und Stühle aufgestellt – fertig! Für uns sehr skuril und zugleich spannend.

Was wir euch nicht vergessen werden: die herzliche Einladung, das Baden im Pool in der Nacht, die Spirituosenverkostung, das leckere Frühstück und die schönen Gespräche, nachdem die witzige, komplizierte Familienkonstellation im Haus irgendwann geklärt war. Das Einhorn und die Mietze samt dem Rest der Familie gewinnen wir sehr lieb. Verabschieden uns wieder mit einem dicken Bussi und muchas Gracias!