Amazonas – Part 1

„Ich flieg nach Leticia!“

Leticia – mitten im Dschungel, direkt am Amazonas, an der Grenze zu Peru und Brasilien – und vermutlich total heiß und schwül mit unzähligen Mücken. „Na toll“, denkt sich Martin, weil ihm ist es schon in Manizales zu warm und am Rio Claro war es genug schwül und nochmal über 100 Stiche braucht es wirklich nicht. Martina allein fliegen zu lassen ist aber irgendwie auch keine Option, weil neugierig is er ja auch. Der Deal: wir fliegen gemeinsam hin und wenn Martina nach ein paar Tagen nicht genug hat, bleibt sie länger.

Es ist Regenzeit, alle Gewässer rundum sind ein paar Meter, besser gesagt bis zu 15 Meter (!) höher als in der Trockenzeit. Der Amazonas ist mehr ein Meer als ein Fluss und was in der anderen Hälfte des Jahres Land ist… ist nun überflutet. Alles zwischen Seen und Flüssen ist unter Wasser. Ok, nun verstehen auch wir, warum das Amazonasgebiet beim Reisen eine unüberwindbare Barriere darstellt – es sei denn man befindet sich auf einem schwimmenden Gefährt.

Auf dem Weg zum Markt, wo wir dann mit Fischgeruch in der Nase einen „Maracuja en leche“ trinken und so ziemlich die einzigen Touristen sind.

Ein Schriftenmaler ziert gerade die Wand eines neuen Restaurantes. Faszinierend, wie er nur mit zwei Hilfslinien die Buchstaben so gleichmäßig malt. Für die ganze Wand braucht er zwei bis drei Tage und er entwickelt auch das Design selbst. Ich frage ihn, ob er die kleinen oder großen Schriften lieber mag, weil ich glaube, die großen sind schwieriger. Aber er liebt die großen! Die kleinen mag er gar nicht gern.

Wenn man sich die vielen total ausgebleichten und verblassten Fotoausdrucke hier anschaut, schade eigentlich, dass nicht mehr alle Wände so gestaltet werden. Für so starke Sonneneinstrahlung sind die Prints einfach nicht gemacht… bemalte Wände schon eher.

Fundstücke:

Es schüttet wieder mal… Regenzeit gell… also probieren wir unsere erste Tuctuc-Fahrt, weil kann ja auch nicht sein, dass wir das noch gar nicht ausprobiert haben!

Im hintersten Eck von Kolumbien, was findet man da… natürlich bayerisches Bier! Bei 26 Grad in der Nacht und Papageiengezwitscher fühlt man sich aber trotzdem nicht wie zu Hause. Es ist einfach eine ganz andere Welt, wahnsinnig spannend. Übrigens sind wir nun südlich des Äquators, den haben wir nur leider überflogen, nicht „überfahren“.

Frühstück mit Insekten, aber nicht auf dem Teller, sondern daneben im Garten.

So, genug geschaut, jetz geht’s auf zur ersten Amazonas-Tour… bin nervös, der Wanderrucksack darf ausnahmsweise mal raus und wir sind mit Mückenschutzmittel und Sonnencreme bewaffnet. Die Wanderschuhe haben zwar auch Ausgang, aber bei so viel Wasser ist eine Wanderung quasi fast unmöglich. Vom Boot aus sind jedoch die Delphine gut zu beobachten.

Auf der Isla de Micos erwartet uns ein besonderes Erlebnis; besonders, weil wir Affen nur im Zoo und meist nur hinter Glas kennen. Die frei lebenden Affen hier werden mit Früchten gefüttert, sodass sie wie Eichhörnchen herkommen und neugierig schauen, ob sie was bekommen. Aber nicht nur das, sie klettern und springen von einem Touristen zum anderen. Wir Mädels mussten nur unsere Ohrringe rausnehmen und man darf sie nicht berühren. Mit ihren kleinen Fingern kratzen die Affen überraschenderweise überhaupt nicht und sie sind total leicht. Komisch, wenn Wildtiere so angefüttert werden, aber natürlich mega spannend, dass sie so nah kommen und man sie ganz genau betrachten.

Der Chef, das Alphatier und ein menschlicher Guide passen immer auf und haben alles im Blick. Nach einer halben Stunde müssen wir wieder gehen, damit nicht zu viele Menschen auf einmal die Insel belagern.

Puerto Nariño, die Heimat unseres Guides, ist ein Dorf ohne Autos. Es gibt nur einen kleinen Traktor, das ist die Müllabfuhr und einen Krankenwagen.

Auch die Sportplätze stehen unter Wasser, aber ein echter Indigener lässt sich davon nicht abschrecken.

Wer mag einen Piranha? Lecker, lecker…

Ja, es gibt eine Tour! Aber „mas joven“, also für jüngere Leute, mit Kajakfahren. Ok, wir lassen uns überraschen und unversehens paddeln wir nach dem leckeren Mittagessen brav unserem Guide hinterher. Es is voll schön so nah am Wasser zu sein und sich ohne Motorgeräusche fortzubewegen. Aber natürlich spürt man es in den Armen und ich vermute einen fetten Muskelkater heraufziehen. Währendessen zieht aber außerdem ein Gewitter herauf – Regenzeit hald! – und der Guide gibt Gas! Durch den schönen Wald wär i gern langsamer gepaddelt. Und dann wurde es echt nass und anstrengend um auf dem See gegen Regen, Wind und Wellen anzukommen um vor den Blitzen wieder an Land zu kommen. „Wer hat diese mas joven Tour eigentlich gebucht??“

Der Amazonas und seine Welt ist definitiv eine andere Welt.

Wir haben reingeschnuppert, rosa und graue Delphine gesehen, viele Vögel, die Affen und Iguanas auf den Bäumen. Leticia ist wohl bei weitem ruhiger und entspannter als Iquitos und hier treten sich die Touristen noch nicht die Füße gegenseitig platt. Das Infocenter gibt es nicht mehr – oder vielleicht auch noch nicht wieder… und wie in anderen blogs auch zu lesen ist, muss man sich seine Touren und Guides erst mal suchen. Unterwegs auf Booten sind zwar viel weniger Mücken als erwartet, aber die Sonne hat es in sich.

Was Martin nicht so gern mag: hier schwitzt man schon vom Nichtstun.

Von was Martina aber definitiv noch nicht genug hat:

Konsequent bucht Martin einen Flug und Martina die nächste Tour…