Letzte Kilometer in Kolumbien

Von Medellin nach Cartagena, unsere letzte Fahrt in Kolumbien. Wehmütig fahren wir zurück zu unserem Ausgangspunkt. Nach Norden. Gefühlt immer noch falsche Richtung, vorbei an Holzwerkstätten, in denen ich gern shoppen würd…

Oh, was ist denn das? Ein Gehweg!

Hier waren wir schon mal und werden wieder herzlich empfangen. Schlafen wieder vor dem Restaurant und wie letztes Mal kommt in der Nacht die Polizei, um sich auf den bequemen Sofas die Zeit mit Wlan zu vertreiben. Letzte Nacht im Defender. Zumindest in Amerika. Seufz. Feeling wie in Afrika, obwohl wir nicht wissen, wie es dort ist.

Einmal müssen wir zurück, auf Grund eines schweren Unfalls ist die Straße gesperrt. Es hat über 30 Grad. Ein Mann meint: mañana! Der Polizist meint: andere Straße nehmen! Zurück heißt aber auch, wir müssen nochmal peaje (Maut) zahlen, selbes Spiel wie damals nach Cali, als wir umgedreht sind. Kein Erbarmen, müssen in die andere Richtung nochmal zahlen. Ich hatte aus Versehen in Österreich mal das Problem, da winkten sie mich durch. Alles geht in Kolumbien doch nicht! Aber viel!

Die andere Straße ist gespickt mit Baustellenampeln. Ihr wisst ja: Verbesserung der Infrastruktur wird hier groß geschrieben! Der letzte Fahrtag hier wird also eine Fortbildung in „Aktives Anstellen von Crazy Columbians an Baustellenampeln“. Martin verzweifelt fast. Warum fahren alle gleichzeitig los und versuchen sich noch im Stau zu überholen? Warum überholen sie auch, wenn der Gegenverkehr kommt und durch ihr Manöver alles zum Stehen kommt… und es für alle nun länger dauert?

Keine Ahnung warum!

Dazwischen macht die Polizei Werbung für sich mit riesigen Aufblasobjekten und das Militär salutiert, anstatt uns zu kontrollieren.

Fazit: nur eine Kontrolle seit 21. Januar – so lang sind wir schon hier! Und zwar am letzten Fahrtag und nicht von der Polizei. Die Verkehrswacht kontrolliert Feuerlöscher und Warnwesten. Nach kurzer Diskussion, ob unser Feuerlöscher nun zu klein ist oder nicht, ist er sowieso mehr am Innenleben unseres kleinen Häuschen interessiert.

Nach den vielen Stunden anstrengende Fahrt/Anstellen/Warten ist Martin fix und fertig und hat – berechtigterweise – auch gerade keine Lust mehr auf Fahren in Kolumbien. Mir ist wieder klar, ich bin kein Road-Trip-Typ. Ich würd gern hier bleiben und in Südamerika nur die Ministraßen fahren und nicht die, die von A nach B führen. Am liebsten im Kreis, am liebsten ohne Ziel, wie am Nevado del Ruiz. Ich hoffe wir fahren in Norwegen wieder ohne Plan. Ob wir zum Nordkap kommen oder nicht ist unwichtig – und da sind wir uns auch wieder einig. Martin war schon dort und mir ist Zeit und Spontanität wichtiger als Strecke oder Ziel. Insofern freuen wir uns beide drauf, aus unterschiedlichen Gründen zwar, aber ein guter Kompromiss.

Vorher ein letztes Mal das skurrile Straßenleben Kolumbiens. Ein wenig werden wir es vermissen, wie crazy hier alles transportiert wird. Wenn man denkt, man hat alles gesehen, setzen sie eins drauf… kolumbianisch!